STEPPS-Newsletter April 2021

01.06.2021

Liebe STEPPS –Anwender*innen,
mit diesem Newsletter informieren wir Sie über unsere Netzwerktagung und unsere ersten Erfahrungen mit STEPPS digital:

  1. Das war unsere Netzwerktagung

  2. Vom Glück des Lernens“ Erste Erfahrungen mit STEPPS in einer
    digitalen Gruppe.

  3. Das war unsere Online-Netzwerktagung 2021
    Am 27.02.2021 begrüßte der Dachverband STEPPS 60 Teilnehmer*innen zur Online-Netzwerktagung zum Thema „Kommunikation gestalten - Kommunikation erweitern“.
    Prof André Nienaber führte durch die Veranstaltung. Nach einem Grußwort von Dr Rahn gab es drei Impuls- Vorträge von Dr Irmgard Plössl, Dr Petra-Maria Schwarz, Melanie Czarnik und Nora Erkelenz.
    Nach einer Pause fanden Workshops zu den Themen der Impulsvorträge statt. Nach vier Stunden intensiven Austauschs verabschiedeten sich alle mit dem zufriedenen Gefühl Ihre Kommunikationsmöglichkeiten erweitert zu haben.
    Bianca Beckmann beschreibt im Folgenden ihre Eindrücke von der Tagung:
    Per Zoom in die Welt- virtuelle Jahrestagung des Dachverbands STEPPS
    Seit einiger Zeit wird STEPPS von den Sozialen Diensten Niederrhein(SDN) angeboten. Zuletzt trafen wir uns coronabedingt per Video-Chat (ZOOM). Ein STEPPS-Kurs besteht aus neun Terminen, wir waren zwei bis vier Teilnehmer und zwei Mitarbeiterinnen.
    Nun wurden wir Teilnehmer und Mitarbeiter zu einer Tagung des Dachverbandes eingeladen. Sich mit insgesamt 60 Teilnehmern per ZOOM zu treffen, war eine echt interessante Erfahrung!

Die Tagung begann samstags um 9 Uhr: Anfangs gab es eine gutgemachte technische Einführung in die Bedienung von Zoom. Das sah auf meinem Handy anders aus, als auf einem PC Bildschirm. Ein freundlicher Mitarbeiter hat mir da sehr geholfen.
Danach gab es drei interessante Vorträge: 1. über Online-Lernen, 2. über Kommunikation und 3. über Messenger-Dienste. Das kenne ich ja selbst: Selbst Smileys können völlig falsch interpretiert werden, vor allem, weil die verschiedenen Handymarken die Smileys unterschiedlich darstellen.
Beispiele: Der Wut-Smiley: In China wird der ganz anders, nämlich als Symbol für Erfolg (ich habe etwas geschafft, verstanden) verwendet. Oder: Der Smiley mit der Träne. Er ist für mich ein Symbol für Traurigkeit, in anderen Kulturen bedeutet er Müdigkeit. Also, ich habe gelernt: Missverständnisse sind vorprogrammiert.

In der zweiten Hälfte gab es Workshops: Jeder Teilnehmer konnte sich in einem virtuellen Raum seiner Wahl begeben und bei einem Thema mitdiskutieren. Jeder Workshop hatte einen Moderator. Ich habe nacheinander an zwei Workshops teilgenommen und fand beide Gesprächsrunden sehr interessant.
Mein Fazit: Ich fand die vielen Informationen rund um das Thema Borderline für mich sehr interessant und hilfreich. Andererseits war es auch ganz schön anstrengend, vier Stunden lang auf den Handy-Bildschirm zu gucken. Es gab jedoch auch eine Pause, die war wirklich gut gemacht: da gab es eine virtuelle Cafeteria, ich konnte mir ein Getränk in der Küche machen und mich dann am Bildschirm mit anderen Teilnehmern unterhalten. Und in einer virtuellen Bibliothek konnte ich mich über Bücher zum Thema informieren.
Ganz besonders hat mich die Information interessiert, dass es eine STEPPS-Selbsthilfegruppe gibt, die auch per ZOOM stattfindet. Und dass es ein weiterführendes Programm von STEPPS gibt.

2.„Vom Glück des Lernens“- Erste Erfahrungen: STEPPS in einer digitalen Gruppe. M. Witt
Martina Witt leitet die Sozialen Dienste Niederrhein, sie führt Online-Stepps-Gruppen durch und berichtet hier über ihre Erfahrungen mit STEPPS-digital:
„Vom Glück des Lernens“
Das STEPPS-Curriculum galt bei uns seit Jahren als Präsenzveranstaltung: Zehn Klientinnen, zwei Trainerinnen, ein großer Tisch, an dem alle Platz finden, ein weiterer Raum, in dem wir unsere Atem- und Achtsamkeitsübungen machen. Dienstag morgens in der Zeit von 10 bis 12 Uhr war es bei uns trubelig.
Dann kam die Pandemie und in den Einrichtungen der Sozialen Arbeit sickerte im Sommer 2020 die Erkenntnis durch, dass auch wir uns der digitalen Begegnung öffnen müssen, wenn wir unser Angebotsspektrum vorhalten wollen. Denn was bis dato als Conditio sine qua non in der Eingliederungshilfe galt – der face-to-face-Kontakt – wurde unter den veränderten Bedingungen zu einer Gefahr (gegen die wir uns mit Masken, Desinfektionsmitteln und ausreichendem Abstand ausrüsten).
In unseren Teams wurde die Idee der digitalen sozialpädagogischen Praxis (auch) mit großer Skepsis diskutiert. Förderten wir nicht auf diese Weise den sozialen Rückzug, weil die Adressatinnen in ihren eigenen vier Wänden bleiben konnten? Würde die Digitalisierung unserer Begegnungen nicht zu einer Verflachung der Kontakte führen?
Hinter den Zweifeln und der Skepsis stand auch und vor allem die Verunsicherung. Der Umgang mit technischen Endgeräten beschränkte sich für viele bis dato auf die Dokumentation und auf den Schriftverkehr mit Kostenträgern. Aber für die Leitung einer STEPPS-Gruppe über Zoom meinten wir, kein ausreichendes Handwerkszeug zu besitzen. Wir waren uns unsicher, ob wir den digitalen Kontakt auf eine Weise gestalten konnten, die unseren fachlichen Ansprüchen gerecht werden. Dies mag sicher auch damit zu tun haben, dass wir selbst – in unserer privaten Lebensführung – dazu tendieren, die „digitale Zwischenmenschlichkeit“ möglichst zu reduzieren, uns selten in Chat-Gruppen bewegen, eher kritisch auf die Ausweitung von sozialen Medien regieren. Ja, wir stellten bei uns fest, dass wir zwischenmenschliche Begegnungen fast überhaupt nicht in eine Verbindung mit Digitalisierung bringen mochten – und uns bislang den digitalen Formen der Sozialen Arbeit eher verweigert hatten.
Wir entschieden uns dennoch, zu lernen (was auch sonst?) und beschäftigten uns in der Folge mit Lizenzen, Break-out-sessions, Whiteboards und Chats. Dabei stellten insbesondere die Älteren unter uns fest, dass viele der Adressat
innen uns voraus waren und den Umgang mit Endgeräten durchaus zu ihren Alltagskompetenzen zählten. Das hatten wir ja eigentlich immer schon gewusst (und eher kritisch gesehen, tendenziell hatten wir eine nicht ausreichende Medienkompetenz unterstellt), nun erlebten wir in der STEPPS-Gruppe, wie es ist, gemeinsam zu lernen. (Sofern es denn ein Machtgefälle in den Arbeitsbeziehungen zwischen Trainerinnen und Adressatinnen gibt, kam dieses ganz schön ins Schwanken.)
Die Adressatinnen sind froh über die wöchentliche STEPPS-Gruppe. Sie sind pünktlich (haben ja auch keine Anfahrt), motiviert und erleichtert über den sozialen Kontakt mit anderen (wenn auch in Form von „Kacheln“ auf dem Bildschirm). Sie freuen sich über den regelmäßigen Termin, der sich letztlich recht unprätentiös genauso gestaltet wie in Präsenzform. Vielleicht braucht es ein wenig mehr an Moderation, ein wenig mehr an Achtsamkeit, ein wenig mehr an Nachfragen. Das Thema „Corona“ wurde anfänglich mehr thematisiert als der Umgang mit der Borderline-Erkrankung. Doch beim Ausfüllen des Schema-Fragebogens wurde deutlich, dass die Bewusstwerdung der eigenen emotionalen Entbehrung berührt, auch wenn wir nicht in einem „Raum“ sitzen. Das Finden von Distanz und die Suche nach ablenkenden Aktivitäten gestaltet sich ähnlich schwierig wie im analogen Setting; die Umwandlung von verzerrten Gedanken in ein lösungsorientiertes Mantra führte auch im digitalen Format zu einer solidarischen Zuwendung; und spätestens, als wir im Kapitel 17 selbstverletzendes Verhalten besprachen und dafür „geschützte“ Break-out-Räume nutzten, wurde die Intensität der digitalen Kommunikation deutlich. In den „Pausen“ geben wir Gelegenheit zu informellen Treffen, auch das ein unbedingtes Muss bei STEPPS. Und manchmal, wenn wir sehr intensiv gearbeitet haben, spielen wir zum Abschluss „Montagsmaler“ auf dem Whiteboard. Auch das gefällt.
Allerdings: Manch einer Teilnehmer
in fehlt das Tablet oder der Laptop. STEPPS läuft dann übers Handy, was möglich, aber anstrengend ist. Wer keins hat, kann nicht teilnehmen. Soziale Ungleichheit zeigt sich auch und vor allem in einer unterschiedlichen Versorgung mit materiellen Ressourcen.
Und wir Trainerinnen? Wir sind nun in der Lage, „Meetings“ zu planen und Einladungslinks zu verschicken. Unsere technischen Kompetenzen nehmen zu, unsere Unsicherheit ab. Mittlerweile bleiben wir gelassen, wenn die Netzverbindung mal nicht funktioniert; wir wissen, dass wir wieder „reinkommen“. Wir haben gelernt, Atemübungen auch in der digitalen Welt anzuleiten (meist bitten wir die Teilnehmerinnen, dazu die Kamera auszuschalten). Wir entscheiden, ob wir uns selbst ständig ins Gesicht sehen wollen, ob wir die „Galerieansicht“ oder die „Sprecheransicht“ wählen und wie wir Kommentare im Chat hinterlassen. Wir lernen immer noch, entwickeln eine große Fehlertoleranz und sind glücklich, unsere guten Angebote nun auch im digitalen Raum stattfinden lassen zu können. Die Digitalisierung von Gruppen der Sozialen Arbeit könnte also schlicht ein Hinweis auf die Notwendigkeit sein, unsere berufsethischen Pfeiler zu überdenken: Vielleicht kommt es weitaus weniger auf die Form an (analog oder digital), sondern eher auf die Inhalte (Erlernen von Fertigkeiten im Umgang mit der Erkrankung).
Für unsere Adressat*innen eröffnen sich neue digitale Teilhabe-Möglichkeiten: Der Besuch der Jahrestagung des Dachverbandes STEPPS wie auch der Selbsthilfegruppe in Soest war für sie hoch interessant und bewegend und wäre vor der Pandemie schlicht nicht möglich bzw. nicht umsetzbar gewesen.
Der digitale Aufbruch hat unser Handlungsspektrum erweitert; darauf sind wir durchaus ein klein wenig stolz. Wir hoffen, dass wir uns nach der Pandemie die digitalen Möglichkeiten erhalten: In der Erweiterung der Optionen liegt das Geheimnis der Freiheit. Das gilt auch für die Soziale Arbeit.
Martina Witt
Geschäftsführerin von SDN Soziale Dienste Niederrhein GmbH in Wesel (Anbieter der ambulanten Eingliederungshilfe)

Impressum LWL Klinik Warstein
Herausgeber: Franz- Hegemann-Straße 23
Dachverband Stepps e.V. 59581 Warstein
www.dachverband-stepps.de Tel.: 02909/82-0
Dr Ewald Rahn (1.Vorsitzender)


Alle News